Die Gaida-Orgel in Bous

Die Geschichte der Renovierung der Bouser Orgel ist keine Alltägliche, keine wissenschaftlich Fundierte, keine nach „althergebrachten“ Traditionen. Viele Ideen entstanden spontan und ohne sich zu fragen, ob man sowas im klassischen Orgelbau machen darf oder nicht. Deswegen ist der folgende Text auch bewusst freier formuliert. Die Wissenschaftler unter den Leserinnen und Lesern mögen mir das bitte verzeihen.


2013-06-17 09-11-33Im Oktober 2006 wurde ich Kirchenmusiker an St. Peter im saarländischen Bous, damals eine neu eingerichtete Schwerpunktstelle im Bistum Trier. Es war meine erste hauptamtliche Stelle als Kirchenmusiker. Erste Bekanntschaft machte ich mit dem Instrument bereits bei einem Besuch im August. Beim ersten Spielen wurde mir schon klar, dass hier lange kein Orgelbauer mehr tätig war. Trotzdem ließ das Instrument Potential erkennen.

Vorgeschichte

Vermutlich besaß die Bouser Kirche schon vor dem Krieg eine Haerpfer-Orgel mit ca. 22 Registern. Erbauungsjahr und nähere Einzelheiten sind leider nicht bekannt. Im zweiten Weltkrieg wurde die Kirche schwer getroffen, die Orgel zerstört.
Nach dem Krieg begannen schnell die Aufbauarbeiten, auch eine neue Orgel wurde geplant. Ein erster Entwurf stammt vermutlich noch aus der Zeit, als die Kirche noch gar nicht wieder vollkommen wiedererrichtet war, zeigt er doch noch ein Tonnengewölbe, wie es der Bau vor der Zerstörung hatte. Daran angepasst dann auch der Verlauf des Freipfeifenprospekts. Letzten Endes wurde aber eine Abgestufte Kassettendecke eingezogen, deren Form heute ein wenig den geschwungenen Prospektverlauf stört. Markant am Entwurf und auch am realisierten Instrument ist das zurückversetzte Pedal mit den Pfeifen des Choralbass 4‘ im Prospekt. Aufgrund der Teilung der Windlade entstehen zwischen diesen Pfeifen überdurchschnittlich große Lücken.

Entwurf Orgel BousErbaut wurde die Orgel schließlich in zwei Bauabschnitten 1952 (Schwellwerk) und 1955 (Hauptwerk & Pedal) von der Orgelbaufirma Haerpfer-Erman aus dem lothringischen Boulay (Moselle). Die Orgel besaß 23 klingende Register und 2 Extensionen. Berichten zufolge haben sich viele Bouser Christen beim Bau engagiert: Holzpfeifen und Spieltisch stammen von einem Bouser Schreiner, selbst Tonmagnete sollen an heimischen Nähmaschinen gewickelt worden sein.
Im Jahr 1974 kam es zu einem ersten Umbau. Die Register Nasard und Terz des Schwellwerks wurden auf einen Stock zusammengelegt und umbenannt zu Sesquialter. Auf dem freien Stock ergänzte man nun ein Scharff, damit nun auch das Schwellwerk eine Klangkrone besaß.
Ein weiterer Umbau erfolgte Anfang der 1990er. Laut Aussagen des damaligen Organisten Josef Köhl war das Krummhorn 8‘ des Hauptwerks sehr instabil was die Stimmung anbelangte. So entschied man sich zum Austausch gegen eine (weitere) Trompete.
Kurz nach meinem Amtsantritt wurden erste Gespräche geführt. Meinem Chef, Pastor Haser, war schon länger klar, dass etwas mit der Orgel passieren müsste. 
Erste Mängel wie etwa grobe Ausfälle im Pedal wurden behoben, damit ein Spiel überhaupt sinnvoll möglich war.
Im Januar 2007 gründete sich ein Orgelbauverein mit dem Ziel, Gelder für die Renovierung zu sammeln. Über die Jahre wurden vielfältige Aktionen durchgeführt, z.B. eine Benefiz-CD, Kochbuch, Flohmarkt, die Ausrichtung von Festen und Konzerten.

Renovierung

Erste Ideen keimten auf, wie man die Orgel sinnvoll erweitern könnte. Die Orgel hatte durch die zwei Eingriffe wohl an Kraft gewonnen, aber an Farben eingebüßt. Eine Erweiterung auf den bestehen Laden bzw. im sehr engen Schwellwerk war kaum möglich. Außerdem fehlte die für französisch inspirierte Orgeln fast schon obligatorische Schwebung. Schnell wurde klar: für eine Erweiterung kommt nur ein weiteres Werk in Betracht. Der Orgelbausachverständige des Diözese Trier Josef Still stand einer angemessenen Erweiterung wohlgesonnen gegenüber, war aber gegen den grundsätzlichen Neubau eines Spieltisches. Aber auch dafür wurde eine Lösung gefunden.
Zunächst galt es einen Orgelbauer zu finden. Im Saarland und weit darüber hinaus hatte sich die Firma Orgelbau Thomas Gaida schon einen Namen gemacht, wie man mit Kegelladenorgeln der Nachkriegszeit umzugehen hat.
Nachdem das notwendige Startkapital angespart wurde, konnte seitens der Kirchengemeinde der Auftrag vergeben werden. Doch leider gelang es mir nicht, für alle Erweiterungen genügend zu werben. Deswegen wurde der Beschluss gefasst, natürlich alle notwendigen Maßnahmen durchführen zu lassen – plus einen Betrag X, für den sich der Kantor „was aussuchen kann“. Was folgte waren Gespräche – mit Thomas Gaida. Ansage: Wenn ich mitarbeite, bekommen wir da noch was hin. (bis heute waren das ca. 600 Stunden!)
Am 4. Oktober 2011 wurde die Orgel abgebaut. Nach und nach wurden die bei solchen Renovierungen üblichen Arbeiten gemacht: Membranen tauschen, Magnete ersetzen, Pfeifen reinigen, Windladen renovieren.

PC131913Wie schon erwähnt, wurde Anfang der 1990er das originale Haerpfer-Krummhorn gegen eine Trompete harmonique getauscht. Um der Orgel wieder eine solistische Zunge zurückzugeben wurde auf den Pfeifenstock im Hauptwerk wieder ein Krummhorn gesetzt, deutsche (!) Bauart, wie es vorher auch war.
Aber was geschieht mit der Trompete? Denn diese war von guter Qualität, wenn auch die tiefe Oktave zu eng mensuriert war. Doch ab c0 war sie klangschön und durchaus zu gebrauchen. Wegwerfen war nicht angesagt. Aus dem Lager wurde nun also eine alte Registerkanzelle geholt, sauber gemacht und neu mit Kegeln etc. aufgebaut, neue Pfeifenstöcke und Raster hergestellt und mit Magneten für eine Einzeltonsteuerung versehen. Wo sie nun letzten Endes ihren Platz gefunden hat, dazu später mehr.
Die Orgel besaß von je her zwei Extensionen. Aus der Subbass-Reihe wurden drei Register gewonnen: Subbass 16‘, Gedecktbass 8‘ und Nachthorn 4‘. Übertragen auf das Manual würden also nur zwei Töne fehlen, um im Manual einen 16‘ zu haben. Vielleicht kommen jetzt gleich die Einwände: Ein 16‘ im Manual darf nicht so „fett“ sein wie ein Pedal-16‘! Doch, darf er! Und wenn er so butterweich ist wie in Bous, geht da auch noch mehr.
Es hieß also wieder ins Lager gehen, Laden suchen. Gebraucht wurden zwei Töne, gefunden wurde eine Lade mit 14 Tönen (zwei Töne plus eine weitere Oktave…!). An dieser Lade hing im Übrigen noch eine Kanzelle mit weiteren 7 Tönen, dazu gleich mehr. Es stellte sich nun die Frage, ob wir zwei Töne davon abschneiden? Antwort von Thomas Gaida: Nein, da finden wir noch was. Gefunden haben wir in der Tat noch was! Im berühmten „Leichenkeller“ fanden sich Pfeifen (gedeckt und konisch offen), die sich wunderbar zu einer obersten Oktave eines Bordun 8‘ zusammenstellen ließen. Somit war es jetzt nicht nur möglich, den Subbass als Bordun 16‘ im Manual zu spielen, sondern sogar als 8‘! Im Umkehrschluss bedeutete das aber auch für das Pedal, das nun noch eine Flûte 2‘ raussprang, quasi kostenlos. Da nach der Neuintonation die Holzflöte des Hauptwerk auch wirklich wie ein solche daherkommt, ist der Bordun 8‘ als Begleitregister nun auch sehr oft im Gebrauch. Ein echter Gewinn!
Eine Spezialität der Firma Gaida sind akustische 32‘. 
Man spielt als Organist ja gerne eine Quinte im Pedal, weil man ja weiß, dass es dann meistens einen 32‘-Effekt gibt. Auch in Bous hat das mit einigen Tönen schon vor der Renovierung gut geklappt. Also wurde bei der Renovierung der Untersatz 32‘ programmiert, in der großen Oktave als Quint-Schaltung, ab c0 reell. Die Intonation tat das übrige. Verblüffend ist die deutliche Wirkung bei kurzem pizzicato, als leise Begleitung der Schwebung bis hin ins Tutti. Immer gibt es das Kribbeln im Bauch.
Wir erinnern uns, dass die Frage nach dem Bestimmungsort der Trompete vom Hauptwerk noch offen war. Und dann lag da auch noch die kleine Lade mit den sieben Tönen. Die tiefe Oktave der Trompete konnte – das war uns klar – eigentlich nur aus der Posaune kommen, was vor dem Abbau auch ausprobiert und abgenickt wurde. Also musste selbige auch auf Einzeltonsteuerung umgebaut werden. „Wenn wir aber eh schon dabei sind…“ schallte es durch die Werkstatt, „dann…“ „Ajo,…“ (wie der Saarländer sagt), dann fehlt nur noch der Violonbass und der Choralbass, und wir haben das Pedal komplett auf Einzeltonsteuerung. Da der Oktavbass vor dem Schwellwerk im Prospekt zu stehen kommt, hatte der schon eine Einzeltonsteuerung.
Und was machen damit? Bombardwerk im Manual! Zugegeben: die Trompete hatten wir vor vornherein schon bis zum 4‘ geplant (natürlich labial). Nun kamen denn neben Subbass und Posaune/Trompete noch die anderen Pedalregister im Manual dazu. Einziges Problem: diese drei verbliebenen Pedalregister sind keine Extensionen, sondern eigenständige Register. Geschicktes Kombinieren war angesagt:
Geigenprinzipal 16‘: Violonbass bis f1, danach Choralbass ab fis1 bis… Moment da fehlen zwei!
An diesem Punkt kam die Lade mit den sieben Tönen ins Spiel. Sieben Töne, sieben noch dazu gebohrt (bei Kegelladen ist das zum Glück im Nu gemacht…), Kegel rein, Stock gebaut, Pfeifen gesucht (richtig, im Leichenkeller!) – Fertig!
Hornprinzipal 8‘: Oktavbass 8‘ bis f1, Choralbass 4‘ bis f2, neue Extensionslade bis g3
Singend Prinzipal 4‘: Choralbass 4‘ bis f1, Extensionslade bis g2 und,… hohe Oktave der Trompete (labial)!
Zwar klingen diese Kombinationen am Spieltisch zugegeben nicht ganz homogen, da sie vor allem räumlich teilweise weit getrennt sind und der Ton „springt“. Im Raum dagegen sind sie ein enormer Gewinn und nützliche Klangfarben.
Ähnlich wie beim Bordun bzw. Subbass, gab es auch bei den Prinzipalen und Trompeten nun die Möglichkeit, im Pedal weitere Register zu „kreieren“.  Hinzu kam ein Sopran 2‘ und Piccolo 1‘ aus der Prinzipalreihe und eine Trompeteria von 16‘ bis 2‘ aus der Posaunen- und Trompetenreihe.
Da war doch noch was! Richtig, die Orgel sollte noch eine Schwebung bekommen, am besten in einem Schweller. Ausweglos erschien die Variante, das alte Schwellergehäuse zu ergänzen. Haerpfer hat immer sehr enge Schwellwerksgehäuse gebaut, die dann auch noch dem Verlauf des Prospekts folgen. Ein Graus! Selbst wenn es nur eine Voix Celeste ab c0 gewesen wäre, hätte es bei der aktuellen Aufstellung Probleme gegeben. Es musste also eine andere Lösung gefunden werden.
Auf der linken Seite der Empore befindet sich der Motorraum samt Magazinbalg. Er ist massiv gemauert, mit einer bis dato halbwegs Vertrauen erweckenden Holzdecke. Der freie Raum darüber würde genügend Raum bieten für eine Windlade. Kurze Nachfrage beim Pastor: nein, er hat nichts dagegen, wenn da was hinkommt.
Im Lager der Orgelbaufirma Gaida findet sich schnell ein Kandidat: eine Windlade aus einer abgetragenen Orgel aus Köln-Lindenthal mit sechs Registern. Gesetzt waren eine Gambe und eine Voix Celeste, beide Register gebraucht aus England von bester Qualität und Schönheit. Die anderen vier freien Plätze waren noch zu vergeben.
Wir erinnern uns dunkel, dass im alten Schwellwerk einmal Nasard und Terz zusammengeführt wurden. Das wollte ich wieder ändern, damit beide Farben wieder getrennt nutzbar sind. Einfachste Möglichkeit war, die Terz auf den Stock der Trompete zu setzen, die Trompete des alten Schwellwerks auf die neue Lade zu übertragen.
Nun hatten wir schon drei Register auf der neuen Lade: Gambe 8‘, Voix Celeste 8‘ und Trompete 8‘. Klar war, dieses Werk wird kein nach üblichen Herangehensweisen vollständiges Manual. Zu den Labialen gesellte sich ein Gemshorn 4‘ aus dem Fundus von Thomas Gaida, das sich einerseits sehr gut mischt mit dem Streicher, andererseits Potential für Soli hat. Ein weiterer Fund im Lager war ein Rankett 16‘. Kurzbecherige Register werden heutzutage nicht mehr oft gebaut, zu verpönt ist wohl der Klang, zu orgelbewegt. Einziger Überlebender scheint mir die Voix Humaine zu sein. Doch gerade das Rankett 16‘ nutze ich sehr häufig, für ganz verschiedene Aufgaben: es ist eine sehr weiche singende Solostimme, ich kann einer Gemeindebegleitung etwas mehr Kern geben, ohne gleich das auch sehr präsente Krummhorn, oder gar eine Trompete nutzen zu müssen.
Bleibt noch ein Stock frei. Meinen Wunsch einer durchschlagenden Klarinette konnte ich mir nicht erfüllen, jedoch haben wir eine schöne Kopftrompete gefunden, die als Cor anglais 8‘ den letzten freien Platz ausfüllt.
Aber was ist eine Schwebung ohne einen Schweller? 
Da kam es der Bouser Orgel ganz gut zu Pass, dass Thomas Gaida Anfang 2013 eine Haupt-Orgel (die Orgelbaufirma Haupt war ein luxemburgischer Ableger von Georg Stahlhut aus Aachen) in Diekirch (Luxemburg) abtrug. Die dortige Kirche wurde renoviert und bekam eine neue Orgel. Dazu musste das über 40 Register große Vorgängerinstrument weichen. Zum Glück hatte die Orgel zwei Schweller, wovon eine Front ganz gut nach Bous passte. Für zwei Tage mit anpacken bekam das Bouser Instrument nun ein zweites Schwellwerk, angesteuert zwar über den ursprünglichen fünfstufigen Balgantrieb, aber dennoch wirkungsvoll. Natürlich musste die gerade Front an den abknickenden Verlauf des Motoraums angepasst werden.

IMG_0086Als Thomas Gaida mal wieder Pfeifen einkaufen war, rief er mich an: Hier stünde eine Celesta, England, ca. 1930, fix und fertig! Anschließen, losspielen! Zwar hatte er im Lager auch noch eine stehen, allerdings unrestauriert. Nachdem er den Preis gesagt hat, zögerte ich nicht lange: Mitbringen, zahl ich selbst. In der Tat ist die Celesta fast schon das Highlight der Orgel. Gut erinnere ich mich noch an die Reaktionen auf die ersten Töne bei der Wiedereinweihung. Man muss aber mit einem solchen Effekt sparsam umgehen, damit er sich nicht abnutzt. Dennoch: „Stille Nacht“ mit Celesta ist Pflicht.

Spieltisch

Werfen wir noch einen kurzen Blick auf den Spieltisch. Wie schon gesagt, mussten wir am alten Spieltisch festhalten: zwei Manuale und ein begrenztes Platzangebot, was neue Taster angeht. Zuerst mussten wir klären, wie wir die Werke zuordnen. Eine feste Zuordnung, wie es früher war, hätte schnell an Grenzen geführt, oder – mit Schaltungen, um diese Grenzen zu umgehen – schnell Verwirrung gebracht. Einzige sinnvolle Möglichkeit war die freie Werkzuordnung. Thomas Gaida hat das vorher schon in mehreren Orgeln übernommen. Das bedeutet, dass die drei „normalen“ Manualwerke (Hauptwerk, Schwellwerk I & Schwellwerk II) frei zu jedem Manual zugeordnet werden können, unabhängig voneinander und in 16‘, 8‘ und/oder 4‘-Lage.

PA221239Ganz klar muss ich an dieser Stelle sagen, dass hier die Sub- und Super-Koppeln nicht dazu dienen, den Klang künstlich zu bereichern. Nein, die Koppeln dienen vorrangig dazu, die Farbpalette zu vergrößern. Oft nutze ich in Werktagsmessen die Oktave 4‘ im Hauptwerk „gesubt“ als 8‘-Prinzipal, weil etwas schlanker im Klang. Oder ich bastele mir aus dem Nasard 2 2/3‘ einen 1 1/3’ etc. So habe ich mit den Koppeln trotz der Beschränkung auf zwei Manuale ungeahnte Möglichkeiten. Hinzu kommt das Bombardwerk, dessen acht Register auf jedem Manual separat spielbar sind, genauso wie die Celesta.
Einige Details kann man schon fast zu den Kleinigkeiten rechnen. In der Hauptwerkslade hatte es sich der Holzwurm gemütlich gemacht. Aber nicht wie sonst in der ganzen Lade. Nein, nur einem rund 1,20m langen Stück eines Dammbretts. Wahrscheinlich ein saarländischer Holzwurm: der wollte nicht weiter weg von „dahemm“.
Weiter waren in Selbiger offensichtlich seit jeher bei einigen Registern die Kegelgrößen zu klein. Vergleichen konnte man das gut an der quasi baugleichen Lade im Schwellwerk. Also hieß es „Kegelrücken“. Ein Grund, warum jetzt auch die Grundregister im Hauptwerk endlich auch tragen.
Bei allen Erweiterungen und Extraladen wird mancher sich fragen, was mit der Windversorgung ist. Zwar sind alle Bälge ausreichend dimensioniert, der Motor war aber auch vor der Renovierung schon etwas knapp bemessen. Nun denn, jetzt hat er einen „kleinen Bruder“ bekommen.

Epilog

Würde die Bouser Orgel dem Vergleich mit renommierten Neubauten der letzten Jahre standhalten können?
Diejenigen, die sie nicht gespielt und gehört haben würden vielleicht sagen: Nein! 
Das Pfeifenmaterial ist ja minderwertig, zu viel Zink, das klingt ja gar nicht. Die Kegellade ist nicht mehr modern, die elektrische Steuerung ist langsam und träge. Dieses „Multiplexgedöns“ bringt doch eh nix und ist Fassade, und dann erst die Disposition, alles zusammengewürfelt.
Diejenigen, die sie gespielt und gehört haben würden aber vielleicht sagen: Ja!
Jedes Register ist ausintoniert und hat einen eigenen Charakter. Welches Material es ist? Egal! Es klingt gut! Und dann erst die Kegellade, die ist sehr schnell und nimmt es mit jeder Mechanik auf. Mit den Koppeln kann ich mir jede erdenkliche Manualverteilung zusammenstellen. Da fällt die Zweimanualigkeit gar nicht mehr auf. Und auch wenn die Disposition ungewöhnlich ist, wenn ich mich damit beschäftige, entdecke ich ganz neue Klangfarben!
Die Bouser Orgel wurde am 7. Oktober 2012 wieder in Dienst gestellt. Zuerst wurde sich auf die neue Situation einstellen verlangt. Man kann sich bei weitem nicht mehr an dieses Instrument setzen, wie an jede x-beliebige Orgel. Man muss gut abwägen, oft reicht auch der Schwellwerksprinzipal. Aber dadurch fordert die Orgel auch etwas vom Spieler ab: sich aktiv mit dem Klang zu beschäftigen. Und auch wenn viele Gemeinden schon froh, DASS einfach nur die Lieder begleitet werden, so kann man in Bous auch nun vielmehr jedes Lied gestaltend begleiten.
Zugegeben ist dieser Bericht, aus meiner eigenen Sichtweise geschrieben, vielleicht manchmal nicht ganz objektiv. Wie soll er es auch sein, wenn ich selbst so viel Zeit und Herzblut in das Projekt gesteckt habe. Es gibt sicherlich bessere Orgeln, aber nicht selten passiert es mir, dass ich mich gerne wieder an „meine“ Orgel setze.

Andreas Hoffmann